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  Rembrandt im Zwiegespräch mit den Steinobjekten von Lee Ufan
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Illy Art Collection „Lee Ufan“
Als Lee zum ersten Mal einen Stein auf eine Glasplatte fallen ließ, steckte in dieser künstlerischen Geste auch ein Geist der Rebellion. Denn in den späten Sechziger Jahren war er Teil der japanischen Studenten, wo Bewegung und der Akt der Zerstörung als Protest gegen den Vietnamkrieg gemeint war. Der mittlerweile 87-jährige hat diese Geste im Hamburger Bahnhof erneut vollzogen und wie- derum ganz kontrolliert einen schweren und großen Stein auf eine Glasplatte fallen lassen.
„Heute ist es kein Akt der Zerstörung und kein Protest gegen die gesellschaftliche Realität wie damals. Während ich diesen Akt des Verbrechens immer wieder- holt habe, habe ich mich verändert. Ich bin älter geworden. Mein Denken hat sich verändert. Nun steckt für mich auch eine gewisse Schönheit und Poesie darin“, erklärt Lee Ufan.
Ein absolutes Highlight der Ausstellung in Berlin ist seine faszinierende Auseinandersetzung mit einem Meisterwerk von Rembrandt, dem „Selbstbildnis mit Samtbarrett“ aus der Berliner Gemäldegalerie. Dieses Ge- mälde wird erstmals im Hamburger Bahnhof zu bewun- dern sein. Es tritt in in einen faszinierenden Dialog mit Lees eindrucksvoller Raum greifender Installation
„Relatum – The
Mirror Road“. In der
Ausstellung bietet sich
den Besuchern die ein-
zigartige Gelegenheit tief in
die Kunstströmungen Japans
und Koreas der siebzigerjahre ein-
zutauchen und die innovative Sicht
des Künstlers auf Abstraktion, Minimalis-
mus, Materialität und monochrome Malerei in seinen Gemälden und Installationen selbst zu erleben.
„Meine Vorstellung ist, dass die äußere Welt hier meiner eigenen Welt begegnet. Das Gemälde bildet den Ort des Zusammentreffens. Diese Idee fasziniert mich“, so der Künstler über seine Arbeit.
Vielleicht war es die starke Schwingung, die man in den minimalistischen Arbeiten Lee Ufans spürt, die Poesie und zugleich die Radikalität der Gedanken, welche die Kuratoren der Illy Art Collection bewogen, diesen weltberühmten Künstler dazu zu bewegen, sowohl eine Espresso- als auch eine Cappuccino-Tasse mit seiner Kunst zu versehen. Nun zieren beide Tassen, den markan- ten und dichten Pinselstrich des Künstlers. Mit seinen

















































































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