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  In der Regel ist der Sinn eines Kunstwerkes, dass man es betrachten kann. Man betrachtet es, um das Gesehene zu verstehen. In den Werken von Lee zählt vor allem das Gefühl. Es gilt, die Kraft der Luft und des Raumes zu spüren.
Bevor den Pinsel über die Leinwand zieht, atmet er tief ein und hält den Atem an. Es hat etwas meditatives, wenn der Pinceau präzise, fast schon schwebend wie ge- raucht über das weiße Papier gleitet. Er bemalt nie die gesamte vorhandene Fläche. „Der bemalte Teil ist keine Markierung, er ist mein malender Körper, meine über Jahre verfeinerte Maltechnik“, erklärt Lee Ufan, der seit vielen Jahren in Japan lebt. Er lehnt das Bemalen der gesamten Fläche vehement ab, als sei diese kolonisiertes Gebiet.
„Das ist eine Art Modernismus, den ich ablehne. Mein Werk erwächst aus der Verbindung zwischen dem berührten und dem unberührten Teil, dem Anwesenden und dem abwesenden Teil. Meine einzige Rolle ist, eine Überlegung in Gang zu bringen. Ich versuche, einen Dialog zwischen der äußeren und inneren Welt entstehen zu lassen“, So der Künstler. Die Ausstellung fand bis Ende April im Hamburger Bahnhof in Berlin statt und zeigte
ART
OF
SILENCE
Es sind grundsätzlich die ganz besonderen Künstler, die zur Illy Art Collection eingeladen werden, Teil einer Künstler umfassenden Community zu werden. Lee Ufan gehört seit 2023 in diesen erlesenen Kreis und wurde als Maler, Philosoph und Bildhauer mit einer großen Restrospektive im Hamburger Bahnhof in Berlin gefeiert, als Meister des Minimalismus.
von Susanne Filter
rund 50 Werke, die über fünf Jahrzehnte seine Schaffens repräsentierten.
Seit 1956 lebt der koreanische Künstler in Japan. 1968 gründete er bereits die Kunst Bewerbung „Mono-ha“, Soviel wie die Schule der Dinge bedeutet. Die Künst- lerinnen und Künstler dieser Bewegung lehnen sich gegen traditionelle Vorstellung von Kunst auf. Ihnen ging es nicht um die Schöpfung von Werken als Ausdruck eines künstlerischen Genies, sondern darum, die Welt so zu zei- gen, wie sie ist. Mit einfachen Materialien wie Steinen, Ästen, Erde aber auch Stahl oder Glas, erschufen Sie ihre Kunstwerke. Einige Jahrzehnte war Lee Ufan Professor an der Kunsthochschule Tama in Tokio und 2010 wurde das Lee Ufan Museum auf Naoshima eröffnet.
„Das wichtigste für einen Künstler ist die Frage da- nach, wie er lebt und arbeitet. Ich finde, dass Künstler zu viel sagen. Sie erzwingen Ideen. Ein Künstler muss lernen zu schweigen! Der Betrachter muss lernen, die Welt al- lein anzuschauen, anstatt den Künstlern zuzuhören. Er sollte der Natur Beachtung schenken, anstatt darüber nachzudenken, was die Künstler sagen“, So eines von zahl- reichen starken Statements des Künstlers.
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