Page 56 - Q The Magazine FlipBook
P. 56
Dirk Schmidinger dazu „Die Brüder waren gläubige Juden und der biblische Samson, der für Stärke und Grösse steht, war der richtige Name für das Produkt. Man musste auf dem Trip in die Rockys möglichst viel in die Kisten reinkriegen, neben denen man unter ande- rem auch schlief.“ Als erste Werbung entschlossen sich die 5 Brüder, für ein Foto gemeinsam einen „Samson“ zu besteigen, als intensives Bild der Stabilität. Mit dem Abklingen des Goldrausches widmete man sich dem normalen Koffergeschäft.
Holz war nicht mehr das ge- wünschte Material, sondern leicht sollte es sein.
Innovative Materialien wie Magnesiumverbin-
dungen und neu ent- wickelte Kunststoffe brachten den Durch- bruch. Dirk Schmi- dinger: „Dies war eine entscheidende Phase und wurde befeuert durch die gleichzeitige Entwicklung in der Automobilindustrie. So wurden erstmals halt- bare und sehr leichte aus Kunststoffen geformte Kofferschalen gefertigt.“
Seit den Anfängen
haben sich die Bedürfnisse
stark geändert. In den 50ern
startete Samsonite mit seinem berühmten Oyster Koffer, ohne Rollen und im Querformat, und immer noch schön anzusehen: Erst später kamen die ersten Rollen hinzu, noch an einem Querformatigen Koffer, der an einem Riemen gezogen wurde, was aber nicht sonder- lich stabil war. Der Weg zum Hochformat Koffer war nicht weit und so kennt jeder die populären Modelle mit vier Rollen. Samsonites Spinner Modelle war geboren. Der generelle Bedarf nach Rollen unter den Gepäckstü- cken ist sicherlich dem erhöhten Flugverkehr geschul- det. Aber ebenso fand die Technologie der Skaterrollen aus den Siebzigern Einzug in die Produktion der Koffer Industrie. Das Unternehmen hat international mittler- weile gigantische Ausmaße, und längst ist der nordame- rikanische Markt nicht auch gleichzeitig der größte Markt. Insbesondere Asien aber auch Europa perfor-
TRAVEL
Q The Magazine
men mit großen Stückzahlen. Der technologische Vor- sprung und die Verwendung von hochwertigem Kom- positmaterial sowie der Fokus auf Innovation hat der Marke oft eine Vorreiterrolle beschert, und das soll in Zukunft auch so bleiben, wenn es nach Dirk Schmidin- ger geht. Natürlich denkt man im Unternehmen auch über Nachhaltigkeit nach, wozu auch gehört, dass man einen einmal erworbenen Koffer sehr lange benut- zen kann, da bei der Marke immer Ersatzteile vorhan-
56
den sind und eine Reparatur leicht möglich ist. Aber auch im Sinne von Upcycling werden Koffer zurückge- nommen, um sie dann einzuschmelzen und daraus neue Produkte zu schaffen. Eine so große Produktion braucht zuverlässige Supply Chains, deshalb ist die Ver- wendung von Meeresplastik keine gangbare Alternative.
Doch wie sieht es mit smartem Gepäck aus? Kann dies der nächste Trend werden? Dirk Schmidinger dazu: „Es wurde bereits von zahlreichen Marken viel experi- mentiert, wie beispielsweise ein Motor, der eingebaut wurde, um den Koffer via Elektroantrieb zu rollen, aber der Motor wiegt bereits einige Kilo. Tracer oder Peil- sender haben ebenfalls Vor- wie Nachteile. Wenn die Airline keine eigene Kennung mehr anbringt, kann das Gepäckstück auch für immer verloren gehen. Generell muss ich sagen, egal was ich auf einem so stark bean- spruchten Produkt aussen aufbringe, kann abfallen oder kaputt gehen. Alle Hilfen, die ich einbaue erhöhen das Gewicht und verringern das Packvolumen.“ Auch wenn

