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   Männermode
stand für die Farben schwarz und dunkelblau – bis Miami Vice kam.
Quelle: DVD „Miami Vice – Die komplette Serie“, Universal Pictures M
Miami Vice hat sich darüber hinweg gesetzt und ging sogar noch weiter: Don Johnson trug weder Socken noch Gürtel. Im Gesicht einen obligatorischen Dreitage-Bart, der im normalen Geschäftsgebaren ein handfester Entlassungsgrund gewesen wäre. Die Krönung des Ganzen war eine Farbpalette, die bisher in der Herrenkleidung keinen Platz fand: Pastell.
Auch hierfür kam der Impuls aus Mailand: Genauer gesagt durch die poppigen Möbel- entwürfe, mit denen die Memphis-Gruppe (1980-1987) für Aufsehen sorgte. Interessanter- weise schließt sich hier der Kreis zu Miami. Die meisten Häuser im South Beach und Mid Beach sind in den 1930er Jahren im Stil des Art déco errichtet worden: Eine Spielart der Moderne, die im Gegensatz zum Bauhaus nicht auf Schnörkel verzichtete. Typisch waren weit auskragende Brise Soleils – horizontale Sonnenblenden über den Fenstern. Viele Details er- innerten an Schiffe. Verkleidungen aus
verspiegeltem Aluminium sollten
Fortschritt suggerieren und die
Weltwirtschaftskrise vergessen
machen. Aus stilistischer Sicht
der wichtigste Punkt: Die Fas-
saden waren durchgehend in
pastellenen Tönen gehalten –
 gelb, türkis, rosa und gebroche- nes weiss. In der Nacht ver- stärkten Neon-Schriften diese Wirkung, indem sie ein blaues, grünes oder gelbes Schimmern über die Häuserwände warfen, deren Weißanteil das Licht aufhellte.
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Beste Sendezeit: Miami Vice lief um 21:45 Uhr im Samstagabend- Programm der ARD.




















































































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