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Der weisse Ferrari Testarossa wurde in der dritten und fünften Staffel ebenso zur Ikone wie die Schauspieler selbst und unterstrich stilvoll den neuen Miami Lebensstil.
Am 16. September 1984 war es soweit: „Miami Vice“ ging in den USA bei NBC auf Sendung. In Deutschland lief die Serie ab dem 06. Dezember 1986 im Samstagabend-Programm der ARD. Den Ausstrahlungstermin um 21:45 Uhr hatte eine
Dresscode Pastell: Don Johnson mit T-Shirt unterm Sakko, natürlich ohne Gürtel.
ganze Generation verinnerlicht. In fünf Staffeln brachte „Miami Vice“ den Zeitgeist der Acht- zigerjahre auf den Punkt. Der Plot: Die Sitten-Polizisten Sonny Crockett und Ricardo Tubbs, gespielt von Don Johnson und Philip Michael Thomas, tragen Designer-Leinenanzüge, fahren Sportwagen und Speedboats: eine glamouröse Uniform, um Drogenhändler und Geldwäscher dingfest zu machen. Die Aneinanderreihung von Statussymbolen offenbarte eine unverschäm- te Dekadenz. Doch genau damit entfachte die Serie im Jahrzehnt der breiten Schulterpolster eine Sogkraft, der sich keiner entziehen konnte oder wollte. „Miami Vice“ wurde zum Inbegriff für Coolness.
Genau das war von Anfang an geplant. „MTV Cops“ lautete der Arbeitstitel, den Seri- en-Erfinder Anthony Yerkovich und Regisseur und Produzent Michael Mann im Kopf hatten. Gleich in der allerersten Folge fahren Crockett und Tubbs in ihrem schwarzen Ferrari (der eigentlich keiner war, aber dazu später mehr) durch die Nacht – wohl wissend, dass diese in einem Blutbad enden wird. Kaum ein Wort wird gewechselt. Dafür läuft der Song „In The Air Tonight“ von Phil Collins auf ganzer Länge. Die Kamera zeigt die Reifen, das Fahrzeug von vorne, immer wieder die Gesichter der Protagonisten. So wirkt die Szene wie ein alternatives
Musikvideo zum Song, den Collins bereits drei Jahre zuvor auf seinem Debütalbum „Face Value“ veröffentlicht hat. Doch kein Vergleich zum lahmen Original-Video, das nur das Gesicht des Sängers in Großaufnah- me zeigt. In der „Miami Vice“-Sequenz liegt Spannung wortwörtlich in der Luft.
An MTV waren keineswegs nur die schnellen Schnitte und unge- wöhnlichen Kameraperspektiven angelehnt. Es war der Look, der diese Serie von allem unterschied, was zuvor über die Bildschirme flimmerte. Crockett und Tubbs wirkten nicht wie Polizisten, sondern wie Bandmit- glieder von Duran Duran. Der Stil war entscheidend. Und genau hier erkannte Michael Mann einen Wandel, der sich parallel in der Mode voll- zog. Giorgio Armani hatte das klassische Herrensakko dekonstruiert, sprich von all seinen steifen Einlagen befreit und ihm so eine weiche, fließende Silhouette gegeben. Hemd und Krawatte wurden durch ein sim- ples T-Shirt ersetzt – eine Revolution für die Männermode, in der selbst bis in die Neunzigerjahre noch strenge Regeln herrschten. Ganz gleich ob im Büro oder im Restaurant: Wer ohne Anzug und Krawatte erschien, erhielt keinen Zugang.
Quelle: DVD „Miami Vice – Die komplette Serie“, Universal Pictures

