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     Wie ein verwunschenes Schloss ragt das weiße herrschaftliche Gebäude aus dem dichten Tannenwald, oberhalb des pittoresken Schweizer Dorfs Sils Maria. Es ist das 5-Sterne-Hotel Waldhaus – wahrlich einmalig gelegen, in sogenannter Kaiserloge, erhöht auf dem Berg und mit frei- em Blick zu jeder Seite: über Baumwipfel und See hinweg bis hin zum Gebirgsmassiv. Ein Traditionshaus auf Luxusniveau, das auf eine über 115-jährige Geschichte zurückblicken kann und bereits in fünfter Fami- liengeneration von den Familien Dietrich und Kienberger geführt wird.
Anfang des 20. Jahrhunderts legte der Vorfahre Josef Giger, der bereits erfahrener Hotelier in anderen renommierten Häusern war, sich aber den Traum eines eigenen Hotels verwirklichen wollte – den Grundstein und entwickelte ein Hotel ganz nach seinem Gusto. Seit- dem hat das Haus viel erlebt. Zahlreiche Berühmtheiten haben hier logiert: Schriftsteller, Künstler, Musiker und Wissenschaftler. Da- runter reihen sich Namen wie Hermann Hesse, Marc Chagall, Da- vid Bowie und Albert Einstein. Ebenso zog auch Hollywood-Flair ins Haus ein. So zum Beispiel bei den Dreharbeiten zu dem Film „Die Wolken von Sils Maria“ mit Kristen Stewart. Über all die Jahre mit den vielen Ereignissen gingen Haus und Inhaber stets mit der Zeit, ohne den Blick für die langjährige Geschichte zu verlieren. Denn diese ist bis heute an vielen Stellen nachzuspüren und gibt dem Haus seinen ganz eigenen und manchmal auch eigenwilligen Charakter, was unbe- stritten den besonderen Charme ausmacht. Davon zeugt ein hauseige- nes charmantes kleines Waldhotel-Museum, welches mit viel Kreati- vität und Humor im Kellergewölbe eingerichtet wurde, inklusive eines Poltergeists, der die alten Kuchenformen an der Wand scheppern lässt.
Aber zum Glück bevorzugt dieser gute Geist ausschließlich den Keller und sucht niemanden heim. Mit einem wachsamen Blick ent- deckt man noch weitere spannende Relikte im Haus, die zu nostalgi- schen Tagträumen inspirieren, wie zum Beispiel eine alte historische Klingelanlage für Dienstpersonal, die wunderbaren historischen Tele- fonkabinen, welche heute wieder für vertrauliche Gespräche nützlich
werden oder das elektrische Reproduktionsklavier, sozusagen eine Jukebox von 1910, das automatisch Lieder abspielen kann und an manchen Abenden im Empire-Salon wieder zum Leben erweckt wird. Zwischen Neu und Nostalgie, Tradition und Mo- derne lassen sich auch die verschie- denen
Themen der Zimmer einordnen. Alle noch so unterschiedlichen Stile haben jedoch eins gemein: ihre Gemütlichkeit, Großzügigkeit und ein unmittelbares Gefühl des Nachhausekommens. Für die Moderne steht definitiv der große Spabereich, in das neueste Bauprojekt des Hotels. Hier haben die Schweizer Architekten Miller & Maranta einen mini- malistisch kubischen Komplex in das Felsmassiv integriert, der spek- takuläre Blicke durch die großen Panoramafenster in den Berg- himmel eröffnet. Wer jedoch das Hotel einmal für einen
Ausflug verlassen möchte, muss nur einen Schritt hinaustreten und steht sogleich inmitten der Natur. Hier lässt es sich wunderbar wan-
dern, Waldbaden und im Winter
liegen die besten Skigebiete nebenan. Vielleicht geht
es aber auch auf ei-
nen kleinen
Ausflug in
die Nachbar-
täler, im Herbst
zum traditionellen
Kastanienschlagen oder nach Soglio, dem offiziell schönsten Ber- gdorf der Schweiz. Anschließend lässt man sich im Waldhaus kulina- risch verwöhnen mit Produkten direkt aus der Region: wie die Milch von der Kuh nebenan, über das Fleisch bis zu den Wildkräutern.
Im gemütlichen zünftigeren Gigers Restaurant, das an ein Al- pen-Chalet erinnert, schmeckt das weltberühmte Schweizer Käsefon- due besonders gut und im historischen ehrwürdigen Speisesaal wird der Gast auf eine goldene Zeitreise versetzt. Wenn man dann zwischen den Menügängen einen Blick auf die vertäfelten Holzwände wirft, erblickt man ein kleines Fenster. Damals konnten hier die Familien- mitglieder im sogenannten Privée einen diskreten Blick auf den Saal und die Gäste werfen und schauen, ob es jemanden zu begrüßen galt. Bis heute ist es spürbar, dass das Grandhotel familiengeführt ist, mit Herzlichkeit und Gespür für Tradition und Modernität.



















































































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