Page 215 - Q The Magazine FlipBook
P. 215
Ben Hodges nutzt die Steine als Kommu- nikationsvehikel zu seinen jungen Soldaten, ganz so wie es seinerzeit sein eigener Vorgesetzter tat.
Weil er in der Lage ist, das rassistische Element, dass es definitiv gibt, anzuzapfen. Da war z. B. Nikki Haley, Präsidentschaftskandidatin in den USA, ihr größtes Versagen war ihre Angst. Sie wurde gefragt, was die Ursache des amerikanischen Bürgerkriegs war, und sie konnte sich nicht dazu durchringen zu sagen, dass es um Sklaverei ging. Ebenso hat sie gesagt, dass Amerika kein rassistisches Land sei. Doch South Carolina ist einer der rassistischten Staaten der USA. Sie war nicht bereit, all das auszusprechen, weil sie Angst vor der Gegenreaktion hatte. Ich bin nach wie vor überzeugt, solange unsere Politiker nicht bereit sind, mit uns als erwachsene Menschen zu sprechen und uns zeigen, dass sie bereit sind, gegen all das vorzugehen, so lange werden wir die angesprochenen Probleme haben. Denn es müssen viele von ihnen sein, die sich mutig befreien..
Vielleicht braucht es andere Politiker und
eine andere Führung in vielen Ländern, oder was meinst Du?
Die Menschen bekommen die Führer, die sie verdienen. Entweder weil man sie selber gewählt hat, oder wenn man nicht gewählt hat, verdient man den, der da ist.
Krieg hat mit Gewalt zu tun. Ich habe neulich erst von Lee Ufan gehört, der beispielsweise einem großen Felsbrocken auf eine Glasscheibe fallen lässt, er nennt dies kontrollierte Zerstörung, und er sagt, dass nur ein Mensch in der Lage ist, einen anderen Gegenstand zum Akt der Gewalt zu benutzen. Ein Tier würde das nie tun. Ein Tier würde zerstören, um zu essen. Den Gedanken dass Gewalt ein Teil des menschlichen Wesens ist, finde ich wert, darüber nachzudenken. Auch wenn die Kulturen verschiedener Länder unterschiedlich sind, so ist die Anwendung von Gewalt in der einen Gesellschaft und Kultur selbstverständlicher als zum Beispiel in einer anderen. Der „Westen“ steht der Gewalt nicht mehr sehr nahe. Die arabische Kultur nimmt zum Beispiel sehr schnell ein Messer oder einen Dolch in die Hand, weil es zu ihrem Lebensalltag gehört. Wie siehst Du das?
Das ist ganz gewiss so. In den letzten 100 Jahren und dem schreckli- chen Tod und der Zerstörung durch die beiden Weltkriege haben wir Institutionen und Prozesse geschaffen, die darauf ausgerichtet sind, die Gefahr, einer Eskalation oder eines Krieges zu begrenzen oder zu ver- ringern. Egal von welchen Organisationen oder Prozessen oder ob wir von dem internationalen Strafgerichtshof in Den Haag sprechen, all das ist dazu gemacht, uns vor uns selbst zu schützen. Vor einer Ge- walt, die den Menschen anscheinend immanent ist. Und genau deshalb bin ich gerne in der Armee. Meine militärische Karriere war ausgerich- tet auf Abschreckung und Behinderung von Aggressoren. Wissen Sie, dass man einen Krieg am besten verhindert, wenn man zeigt, dass man darauf vorbereitet ist? Das ist eine schwer zu verstehende Sache, wenn man es nicht studiert oder darüber nachgedacht hat. Es ist ein- fach zu sagen, du bist ein Kriegstreiber, nur weil man das eigene Land stärken will. Ich will definitiv eine starke Bundeswehr, damit es in die- sem Land nie wieder einen Krieg gibt!
215

