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Ben Hodges ist fasziniert von der Sprache der Steine
    Wenn Du dir jetzt Deine Auswahl an Steinen
ansiehst, welche sind die wichtigsten?
Es ist definitiv der, den meine Tochter im Fluss gefunden
hat. Denn er ist eine Kombination aus der Liebe zu der Geschichte des Steins, aber auch zu der Geschichte, wie er gesammelt wurde. Als zwei- tes der Stein von der Stelle, an der Caesar nördlich von Koblenz den Rhein überquerte, nachdem er eine Brücke gebaut hatte und dieselbi- ge wieder zerstörte, weil er seine Mission erfüllt hatte. Das war beein- druckend für mich. Außerdem denke ich an diese schottische Einheit bei Waterloo, als Oberstleutnant Mac Donald mit seiner kleinen Gruppe in einem Farmhaus eine unglaubliche Geschichte von mutiger Entschlossenheit schrieb.
Es gibt kleine, sehr persönliche Geschichten, aber auch Ge- schichten von unglaublicher historischer Bedeutung, wie zum Beispiel der Ort, an dem die Osmanen schließlich in Konstantinopel einmar- schierten und das war das Ende des byzantinischen Reiches besiegelten.
Gibt es eine besondere Stein-Wishlist?
Ganz oben auf dieser Liste stehen der Kreml und auch die Krim. Dies nicht wegen der aktuellen Geschehnisse, sondern wegen des Krimkrie- ges im 19. Jahrhundert. Außerdem möchte ich unbedingt noch nach Vietnam. Ich glaube, es gibt dort Orte, an denen die Franzosen gegen die Vietminh gekämpft haben. Ebenso der Kampf der USA gegen Nordvietnam und den Vietkong. Das ist ein sehr wichtiger Teil unserer Geschichte. Nicht glorreich, aber wichtig! Ich möchte sehr gerne auf diesem Boden stehen.
Nun bist Du im Ruhestand und in der Kommunikation vielleicht mehr gefragt als je zuvor.
Mit etwas Abstand sind die Aufgaben eines Kommandanten heutzutage anders als vielleicht vor zehn oder 20 Jahren? Man denke nur an KI, Drohnen etc. und die Welt scheint viel mehr in Bewegung zu sein ...
Das ist eine gute Frage. Ich würde sagen, die Aufgaben sind nicht anders, aber die Werkzeuge sind anders. Dabei spricht man nicht nur von künstlicher Intelligenz, sondern auch von Drohnen und Waffen, die sich sich mit Hyperschallgeschwindigkeit über große Entfernun- gen bewegen. Auch die Fähigkeit, viele Informationen schnell zu über- mitteln, denn das hat den Charakter des Krieges verändert, aber nicht die Natur des Krieges. Krieg ist immer noch eine Domäne der Gewalt, der Angst, der Unsicherheit und der Reibung. Ein Kommandeur muss immer in der Lage sein, Entscheidungen zu treffen, die seinen Sol- daten die beste Chance geben, den Auftrag zu erfüllen und dabei zu überleben. Man muss immer versuchen Entscheidungen schneller zu treffen, als der Feind es kann, um die Initiative zu behalten. Die Mittel haben sich geändert, aber die Verantwortung, die Frauen und Männer in Uniform auf das vorzubereiten, was ihr Auftrag ist, dies ist immer noch die Aufgabe des Kommandeurs. Ausbildung, Disziplin und sicherzustellen, dass sie vorbereitet sind.
Wenn Du dir im Fernsehen Dokumentationen der ukrainischen Soldaten anschaust, in dem Umfeld in dem sie sich bewegen, unter- scheidet sich dies wahrscheinlich nicht allzu sehr von dem, was ihr Großvater erlebt hat.
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