Page 209 - Q The Magazine FlipBook
P. 209

  Wie muss ein Stein für Dich aussehen? Wonach suchst Du?
Ich versuche sehr genau den Ort zu finden, den ich mit der mir be- kannten Geschichte verbinde. Im September 1944 haben die Alliierten in den Niederlanden versucht, hinter die deutschen Truppen im Nord- westen Europas zu gelangen. Es gab einen Ort, an dem ein amerika- nischer Soldat die Ehrenmedaille erhielt, und ich wollte einen Stein haben, der die Geschichte dieses jungen Gefreiten erzählt. Nun ja, in den Niederlanden ist der Boden an den meisten Stellen sehr sandig und es gibt nicht viele Steine. So verbrachte ich 2 Stunden auf meinen Knien, weil ich wusste, dass ich an der richtigen Stelle war. Ich habe im Sand herumgekratzt, bis ich einen Stein fand, von dem ich glaubte, dass er auch schon am 19. Mai 1940 dort war. Aber noch spannender ist dieser Stein: als 1940 die Franzosen die deutschen Truppen tatsäch- lich aufhielten, ging der damalige Divisions Kommandeur an die Front, um herauszufinden, was los war. Er setzte sich selbst einem
großen Risiko aus, wurde verwundet, aber schließ- lich brachte er seine Truppen wieder in Bewegung.
Und genau dort wollte ich einen Stein finden.
Es gab eine Stelle, an dem er den Fluss über- queren musste, und für mich gab es keine Hoff- nung, einen Stein zu finden, der einfach auf dem Boden lag. Ich suchte also nach einem Flussbett. Meine Tochter war damals fünf Jahre alt, ich hielt sie an den Füßen fest und ließ sie kopf- über in das Flussbett hinab. Es dauerte nicht lange, da hielt sie den perfekten Stein in ihrer
kleinen Hand. Das werde ich nie vergessen.
Jedes Kind sammelt gerne Steine ...
Ja ich bin auch ein Kind. Meine Mutter hat immer gesagt, der einzige Unterschied zwischen Männern und Jungen ist der Preis für das Spielzeug.
Aber Steine sind nicht teuer. Hast Du selber als Kind
schon Steine gesammelt?
Nein, das habe ich nicht. Ich hatte als Kind aber eine riesige Sammlung von kleinen Spielzeugsoldaten, und das, seitdem ich vielleicht vier Jah- re alt war. Ich wollte immer ein Soldat werden. Und dabei stamme ich nicht aus einer typischen Militärfamilie, obwohl die Armee in unserer Familie immer positiv konnotiert war.
Ich mag am Militär die Geschichte, die Körperlichkeit und auch die Idee, schwierige Aufgaben zu bewältigen.
Wann hast Du dich entschieden, Soldat zu werden,
und eine Karriere beim Militär avisiert?
Wahrscheinlich im Alter von 15. Ich hatte keinen konkreten Plan. Ernsthafter wurde es erst gegen Ende der Highschool. Meine Ent- scheidung war ganz simpel: ich dachte mir, wenn ich Armee-Offizier werden will, dann ist der beste Ort dafür Westpoint. Von 18-22 ver- brachte ich vier Jahre als Kadett an der Militärakademie. Danach hatte ich meinen Abschluss als Leutnant. Eigentlich war das schon der gesamte Umfang meines Plans.
Ich habe nie darüber nachgedacht, diesen Job 30 Jahre lang zu praktizieren. Das kam erst, als ich einen höheren Offiziersgrad hatte. Außerdem war ich sicher, dass ich wettbewerbsfähig genug war, um einen höheren Rang zu erreichen. Ich habe meine Arbeit immer sehr geliebt.
  209


















































































   207   208   209   210   211