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... Dieselben Tugenden könnte man auch guten Soldaten zuweisen. Was hat den ehemaligen US amerikanischen General der Streitkräfte in Europa, Ben Hodges, dazu bewogen, eine Steinsammlung anzulegen, die ihresgleichen sucht?
Generälekommen
in unserer Zeit so häufig zu Wort, wie
schon seit vielen Jahren nicht mehr.Gene-
relle Verantwortung bedarf grosser genereller
Übersicht. Denn es geht uns allen um mehr als um Krieg und Frieden, es geht um Werte, um Philosophie, um Visionen und besondere Men- schen, die den Geist und das Potenzial haben, die Vergangenheit mit der Zukunft zu verbinden. Eine dieser großen Persönlichkeiten ist Ben Hodges, ehemaliger kommandierender General der US Streitkräfte in Europa. Wir trafen ihn zu einem sehr ungewöhnlichen Gespräch.
Ben, Du sammelst Steine.
Aus wie vielen Steinen besteht Deine Sammlung?
Jetzt sind es wahrscheinlich an die 250. Die meisten sind hier bei mir in Frankfurt, aber einige auch zu Hause in South Carolina.
Die Steine sind für Dich nicht nur persönliche Sammelleidenschaft, sondern da steckt mehr dahinter.
Erzählst du uns von diesem „mehr“...
Meine Sammelleidenschaft begann 1980 als Leutnant in Nord- deutschland. Ich war gerade 20 Jahre alt und die US Armee war riesig groß, genau wie die Bundeswehr und die britische Armee. Mein Bataillonskommandeur war ein echter Historiker. Er wusste von einer Geschichte im Hürtgenwald, wo ein amerikanischer Leutnant un- glaublichen Mut bewiesen hat und dabei getötet wurde. So nahm er auf eigene Faust von der kleinen Gedenkstätte eine Tasche voller Steine
mit und gab jedem von uns jungen Leutnants einen davon. Wir waren circa 30 Offiziere. Er erzählte uns die Ge- schichte von diesem Leutnant aus dem Jahr 1944 und er sagte: „Das ist das, was ich von euch erwarte: Wenn ihr im Chaos einer Schlacht nicht von eurem Hauptquartier hört, dann erwarte ich, dass ihr über- legt, was euer Auftrag sein soll, um ihn dementsprechend ausführen. Sitzt nicht herum, sondern tut etwas!“ Nun habe ich seit circa 44 Jahren diesen Stein auf meinem Schreibtisch. Er war es, der mich inspiriert hat,
und die Idee dahinter, dass jeder Stein eine Geschichte erzählt.
Wie hast Du diese Idee für dich
weiterentwickelt?
Ich suche nach speziellen Orten auf berühmten Schlachtfeldern, dort wo ein Anführer oder ein Soldat etwas getan hat als ein gutes Beispiel für Innovation, Mut oder Risikobereitschaft. Das sind genau die Eigen- schaften, die ich meinen Soldaten unbedingt vermitteln wollte. Jeder einzelne Stein erzählt eine Geschichte, und jeder meiner Offiziere und Unteroffiziere wusste von meiner Sammlung. Ich nutzte die Steine als Gedankenanstoß, um z. B. etwas über Oberst Chamberlain oder Ober- feldwebel Schmidt zu erzählen. Der älteste Stein ist von Alexander dem Großen. Danach von Caesar, der den Rhein bei Koblenz überquert hat, oder auch Hermann dem Cherusker in der Schlacht im Teutoburger Wald. Einige dieser Steine sind uralt. Aber ich habe auch Steine aus dem Irak und Afghanistan, aus der jüngsten Vergangenheit.
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