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NWann hast du mit dem richtigen Reiten angefangen? Wahrscheinlich schon in Indien, oder?
Nicht viele kennen den Fleyenhof, geführt Ab meinem 15. Lebensjahr habe ich es in In- von Hubertus Schmidt, dem ehemaligen dien versucht und ab 16 habe ich an verschie- Goldmedaillengewinner im Dressurreiten. denen Orten in Indien meine reiterlichen
Musstest du Hubertus Schmidt überzeugen, dass er dich nimmt?
Wir hatten ihn angerufen und er hat gesagt, es sähe so aus, als hätte ich kein gutes Niveau, aber komm vorbei, dann sehen wir uns das an. Also flogen wir nach Deutschland und fuhren nach Etteln, wo ich bestätigt bekam, dass mein reiterliches Können wirklich noch sehr schlecht war. Trotzdem bot er mir an, mich auf die Reise mitzunehmen, mich zu trainieren, ohne mir etwas versprechen zu können. Als er mich fragte, was mein Ziel sei, sagte ich, dass ich zu den Asienspielen 2018 fahren wolle, und er sagte, ich sei dumm. So hat alles ange- fangen.
Und jetzt sieht die Welt ganz anders aus. Du hast viel trainiert, und bereits richtige Erfolge eingefahren. Sag mal, wann hattest du dein erstes Pferd?
Ich hatte zwei eigene Pferde und ein drittes Pferd, aber es war nicht mein eigenes. Es war 21 Jahre alt und Frau Schmidt hat immer lange Übungsstunden mit mir und dem Pferd praktiziert.
Dein aktuelles Pferd, Etro, das hast du noch nicht so lange, oder?
Seit 2023. Etro ist neun Jahre alt. Mit ihm habe ich die Asian Games geritten. Und dort meine ersten zwei Medaillen geholt. Eine Goldene und eine Bronze Medaille. Viele er- folgreiche Dressurpferde sind 15/16 Jahre alt und damit ist Etro definitiv noch kein altes Pferd. Ich bin auch viel auf Sir Caramello ge- ritten, denn Etro ist quasi mit mir parallel zur
International ist Hubertus Schmidt längst Ikone und Superstar. So kommen im- mer wieder junge, ambitionierte Reiter mit ihren Pferden aus aller Welt, um den grossen Traum einer Karriere auf dem Rücken der Pferde umzusetzen.
Unsere Überraschung: Am Flyenhof stehen Pferde für zig Millionen und manche sogar mit eigenen Bodyguards. Das Surroun- ding ist unspektakulär, wenig glamourös, son- dern ganz der Funktion untergeordnet. Das entspricht der Mentalität von Hubertus Schmidt, und der Erfolg gibt ihm recht. Als Vaterfigur, Mentor und Trainer erdet er die jungen internationalen Reiter, die aus Indien, Korea oder gar aus Australien hier in einem anderen Leben stranden, zwar mit grossen Investments aber mit wenig luxury lifestyle.
Anush, wann hast du mit dem Reiten begonnen?
Ich war sechs Jahre alt. Mit dem richtigen Reitsport hatte das aber nicht viel zu tun.
Ein allgemeiner Sportverein, wo man mit den Ponys im Wald spazieren gehen konnte, war mein Familienevent. Ich liebte Tiere, ins- besondere Pferde, schon immer, aber die Zeit mit meiner Familie in diesem Club war das Wichtigste. Später habe ich immer eine Stun- de auf den Ponys geritten, zum Zeitvertreib.
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Fähigkeiten verbessert. Aber es gibt diesbe- züglich wenig Möglichkeiten in Indien. Mit 17 hat sich für mich alles verändert, als ich nach Deutschland ging.
Erst 17 Jahre alt und dann mit Sack und Pack nach Deutschland gehen, ohne Eltern, ohne Familie um dich herum. Hattest du das lange im Blick, oder war das eine spontane Entscheidung?
Es begann bereits mit 16, als ich mehr und mehr trainierte und mein Interesse am Reiten ständig wuchs. So war ich immer mehr mit Pferden unterwegs. Eine Zeit lang habe ich in New Delhi einen Ausbilder gefunden und bin dann jedes Wochenende dorthin ge- flogen. Er war Dressurreiter und deshalb ist es wahrscheinlich nicht Polo oder Springreiten geworden.
Deine Eltern haben dich also in jeder Beziehung unterstützt?
Ja. Egal wie viele Möglichkeiten es gibt, zuerst einmal müssen deine Eltern daran glauben, dass es wichtig ist und das etwas dabei heraus- kommt. Dann geben sie auch ihre volle Unter- stützung.
Anush Argawallah zusammen mit seinem Pferd Etro und seinen Eltern die voller Stolz den Erfolg ihres Sohnes feiern.

