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Ein schöner Gedanke, ein Willkommensgruß
für Deine Gäste und auch Dich selbst?
Verstehen Sie nicht falsch, es ist nicht so, dass ich mich nicht um meine Gäste kümmere, aber ich komme öfter in meine eigene Wohnung, als ich Gäste habe. Wenn man die Wohnungstür öffnet, habe ich einen kleinen Waschraum für Gäste, in dem es auch einen speziellen Duft gibt. Und dann ist da noch mein Wohnzimmer, welches ziemlich groß ist, denn Küche, Wohnzimmer und Esszimmer sind ein einziger großer Raum. Dort habe ich nochmals andere Düfte, nämlich japanischen Weihrauch. Die Düfte müssen den einzelnen Bereichen zuzuordnen sein, eher geogra- phisch gesehen. So habe ich eine Duftkerze in der Nähe meines Klaviers, aber nicht auf dem Klavier. Ebenso gibt es natürlich noch den Küchenbereich, in dem es sehr häufig einen Basilikum Duft gibt, weil dort immer frische Basilikumpflanzen stehen. In meinem Schlafzimmer benutze ich einen japanischen Einrichtungsduft, der sehr subtil ist. In Japan machen sie generell unglaubliche Dinge.
Auch in meinem Badezimmer habe ich einen speziellen Geruch, ebenso wie in der Waschküche.
Karl Lagerfeld hat mal gesagt, dass für ihn der schönste Duft der eines frisch gebügelten weißen Hemdes ist. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich habe Glück, denn ich benutze das Waschmittel der Maison.Wir benutzen sehr schöne Flüssigwaschmittel.
Ich habe mich oft gefragt, ob es auf einem Event sinnvoller ist, eher etwas weniger als etwas mehr aufzutragen. Schließlich steht man mit starken Düften oftmals regelrecht unter Beschuss ...
Ein Duft ist wie ein Outfit. Manche Men- schen tragen Outfits, die man nicht wirklich bemerkt. Wenn du auf eine Party gehst und schwarz trägst, ist das meistens eine sichere Wahl und längst nicht so auffällig wie et- was Farbenfrohes. Würden wir heute Abend in eine Bar gehen, werden die meisten Menschen schwarz tragen und
bei Männern sogar noch mehr. Es kann um mehr oder weniger Spaß gehen, aber genauso kann ich mir vorstellen, dass eine Frau auf einer Party be- schließt, anonym zu bleiben. Das funktioniert mit Schwarz natürlich
sehr gut, denn es ist mittlerweile eine Art Dresscode, der sehr normal
geworden ist.
Ist es denn für dich
grundsätzlich eine Frage
des Outfits, beziehungs-
weise farbenfroh oder
schwarz, was auch den
Duft verändert? Heißt
farbenfroh ein stärkeres
Parfum?
Es ist wirklich schwer, dabei, grundsätzlich eine Empfehlung
oder Einschätzung zu geben. Am
Ende hängt es sehr stark von den un- terschiedlichen Persönlichkeiten ab und auch davon, ob man Parfums liebt oder nicht.
Ein Parfum ist nicht vergleichbar mit
einem Makeup. Ein Makeup ist deutlich ein-
facher zu empfehlen, weil es um den Typ deines Körpers oder deines Gesichts geht. Wenn Du beispiels- weise hohe Wangen hast, gibt es Empfehlungen, wie man die Farbe richtig setzt, denn es geht mehr um die Struktur Deines Gesichtes. Parfum ist ganz anders. Es geht um Emotionen und auch Launen und nicht darum, wie stark oder schwach, das Parfum ist.
Davon ausgehend, dass es bei Düften sehr stark um die Emotionen geht, bedeutet dies natürlich auch, dass Parfums variieren können. Denn als Frau weiß man sehr gut, dass man sich nicht jeden Tag gleich fühlt. Bei den Haaren und der Frisur hat man einen physischen Aus- gangspunkt, aber dennoch spielt es eine große Rolle, wie der Tag war, wie man sich heute fühlt und welche Stim- mung man hat. Die Option der individuellen Entschei- dung je nach Stimmungslage hat mich seinerzeit auf die Idee der olfaktorischen Garderobe gebracht, eine Selektion ganz verschiedener Düfte mit feinen Nuancen. Welches Parfum man wählt, ist nämlich abhängig davon, wer man ist und wie man sich fühlt.
Dies ist auch der ursprüngliche Gedanke der Parfumherstellung. Du trägst, was und wer du bist.
Sie sind ein Parfumeur mit vielen Talenten und Blick über den kreativen Tellerrrand. Eine Zusammenarbeit war bei- spielsweise mit Cyril Teste eine Duftinszenierung zur Oper Salome.
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