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Gab es ein Vorbild, zu dem Du aufgeschaut hast? Zunächst einmal muss man wissen, dass in den achtziger Jahren Parfümeure nicht sehr bekannt waren. Es gab nur sehr wenige, die auch in den Medien oder der Presse präsent waren. Es wurde nicht viel über Parfums gesprochen, und es gab auch weniger davon als heute. Dadurch war es aber geheimnisvoller. In französischen Magazinen erschien viel- leicht einmal im Jahr ein Artikel über Parfums. Es war eine komplett andere Ära. In der Gastronomie war es ähnlich. Vor 40 Jahren ging man in bestimmte Restaurants wie bei- spielsweise ins Chez Laurent, oder andere sehr bekannte Lo- kale. Wenn man heute von Haute Cuisine spricht, dann geht man zu Ducasse oder man geht zu Anne-Sophie Pic. Man benennt in erster Linie die Menschen, die dahinter stehen. Heute sucht man nach einem Talent und folgt diesem Talent.
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Glaubst du, dass Deine Karriere mit Jean-Paul
Gaultier und Le Male begonnen hat?
Es war danach. Le Male war nicht der Anfang. Es war nur das Vorspiel. Erst einige Jahre später kam mein Durch- bruch, als ich das zweite, dritte, vierte oder sogar fünfte Parfüm entwarf. Le Male war, wie mein alter Ballettlehrer immer sagte, ein „Unfall“, ein glücklicher Unfall. Er be- schrieb damit immer eine Leistung, eine Figur, die man hinbekommen hatte, aber nicht in der Lage war, sie zu wiederholen. Ich war damals noch jung und habe aus vielen Fehlern, die das Entwerfen von Düften betrafen, gelernt. Ich war erst später in der Lage, mein Gelerntes umzusetzen und zu wiederholen. Also muss man geduldig sein und sehr viel arbeiten und alles dafür tun, dass es nicht ein glückli- cher Unfall bleibt.
Unter all den anderen Parfums, die du für große
Marken kreiert hast, gibt es da irgendetwas Besonderes? Ich liebe es, mit besonderen Menschen zusammen zu ar- beiten, zum Beispiel für Albert Elbaz. Das war bezaubernd. Und ich liebe die Arbeit mit John Galliano. Denn er war der Wahnsinn und absolute Magie. Selbst als ich Eddi Sli- mane traf, war es sehr außergewöhnlich, denn es geht ihm immer um die reine Präzision.
Wie oft hast du bisher in Deinem Leben Dein Parfüm gewechselt?
Ich trage kein Parfüm. Ich habe viele Parfüms zu Hause, aber ich trage sie nicht. Ich arbeite damit an meinen Fähigkei- ten und Fertigkeiten, aber ich nutze sie nicht zum Vergnügen. Parfüm bedeutet für mich Arbeit. Wenn ich ein Parfüm rieche, denke ich über Dinge nach, wie bspw. „Warum ist dies darin? Warum hat man das gemacht?” Wenn ich an- fange zu riechen, fange ich gleichzeitig an zu denken. Dahin- gehend muss man aber auch unterscheiden zwischen einem Ort, zu dem ich gehe, an welchem unterschiedliche Gerüche sind, und ob ich mir selber ein Parfüm auftrage. Im ersten Fall habe ich keinen Einfluss darauf. Diese Gerüche sind einfach an diesem Ort. Auf letzteres habe ich selber Ein- fluss. Und wenn ich selber Einfluss darauf habe, kreisen mei- ne Gedanken darum, warum ich diesen Duft gerade auftra- ge, ob er zu mir und meiner Stimmung passt, und vieles mehr. Wenn ich mich entscheide, ein Parfüm zu tragen, beeinflusst es mich in gewisser Weise, denn der Geruch ist immer da.
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