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 Deine Eltern können Dir helfen, sie können Dich bestrafen oder auch Deine Motivation aufrecht erhalten, und sie können Dich anleiten, aber Du brauchst eigene Hingabe und Leidenschaft. Manchmal musst Du über Deine eige- nen physischen Kräfte hinausgehen, und dies muss von Dir selbst kommen. Es ist unmöglich, dass jemand anderes Dir das vorgibt.
Wie hast du zu Deiner Entscheidung gefunden?
Zu meiner Zeit haben kleine Jungs in meinem Alter Fuß- ball gespielt oder auch Rugby und Mädchen machten Mu- sik und gingen zum Ballett. Das war eine sehr klassische Denkweise. Aber ganz konkret habe ich einen Artikel über Parfum gelesen, weil ich einen Film gesehen hatte, in dem es einen Parfümeur gab. Außerdem benutzte meine Mutter Parfum und meine Schwester sammelte kleine Parfumpro- ben, wie viele kleine Mädchen... Aber alles zusammen ist das natürlich nichts Außergewöhnliches. Dennoch hat diese Welt mich berührt und total fasziniert.
Aber was bedeutet es konkret, ein Parfümeur werden zu wollen?
Der Beginn war sehr schwierig. Auch ich stellte mir die- selben Fragen und versuchte herauszufinden, wie ich ein Parfümeur werden kann. Vor 45 Jahren gab es noch kein Google oder Social Media, was es heute deutlich ver- einfachen würde. Parfümerieschulen boten sekundäre Programme und hochspezialisierte Ausbildungen an.
Wie wichtig ist das olfaktorische Talent?
Das Talent ist nur ein kleiner Faktor zum Erfolg, aber die Ausbildung ist mindestens ebenso wichtig. Also habe ich sehr viel gearbeitet. Dabei war ich nicht der Beste meiner Klasse. Ich erinnere mich genau. Klassenbeste war ein Mädchen, sie hieß Segolene. Wir waren eine sehr kleine Klasse mit nur 16 Schülern. Segolene konnte an einem Duftstreifen riechen, und sie wusste alle Komponenten, denn sie hatte eine ganz erstaunliche Fähigkeit zu riechen. Sie war in der Lage, Dinge zu erkennen, die sonst niemand außer ihr erkannte. Doch mit den Parfümeuren ist es ähn- lich wie mit den Schriftstellern. Man muss sich ausprobie- ren. Es werden Fehler gemacht, die man korrigieren muss. Nur weil man gut schreiben kann, heißt es noch lange nicht, dass man eine gute Geschichte zustande bringt. Es müssen Gefühle und Emotionen transportiert werden, was nicht jeder, der gut mit Worten umgehen kann, automatisch hin- bekommt. Ich kann gut riechen. Damit kann ich mich am besten ausdrücken, Aber man braucht auch die nötige Technik. Das ist ein Haufen Arbeit. Und wenn Du nicht bereit bist zu arbeiten, passiert auch nichts. 99 % ist harte Arbeit, und 1 % ist Talent.
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