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Christian Prazzoli und Matete Martini bilden eine kreative Symbiose für die Marke Baldinini, die schon immer für den besonderen Look stand.
B ereits 1910 wurde Baldinini nahe Rimini gegründet, und schon jetzt schaut man erwartungsvoll in das Jahr 2025, in dem das 115-jährige
Jubiläum einer erfolgreichen Marke gefeiert werden soll. Die Ursprünge der Marke finden sich allerdings nicht in hoch eleganten Damen Pumps mit exaltiertem Design, sondern in der Produktion von Clogs. Schließlich ist die Region um San Mauro Pascoli eine gewachsene Arbeiterregion und dass die Clogs mal Kult und ein hipped Fashionaccessoire würden, war da noch nicht zu erahnen. Heute, mehr als 100 Jahre später, steht Baldinini für
Qualität und Handwerkskunst ebenso wie für Style.
In Italiens berühmtestem Schuhdistrikt finden sich
auch andere wohlklingende Namen wie Sergio Rossi, Casadei oder Pollini, quasi alle in Fußweite voneinander entfernt. „Man kennt sich, man respektiert sich und dennoch gibt es eine natürliche Konkurrenz“, so Christian Prazzoli. „Wir alle haben dieselben Voraussetzungen, aber jeder versucht etwas Besseres daraus zu machen. Baldinini positioniert sich anders, zum einen durch die bessere Balance zwischen Männer- und Frauenschuhen. Zum anderen haben wir den Komfort als oberstes Kriterium unserer Strategie. So kann man den ganzen Tag schöne Schuhe tragen, ohne zu leiden.
Nicht alle unsere Schuhe sehen komfortabel aus, aber sie sind es!“
Ausführlich berichtet Prazzoli über kleine Komforttricks, welche die
Schuhmachermeister über viele Jahrzehnte entwickelt haben. Wir fragen uns, warum Italien zum weltweit unumstrittenen Hotspot von Schuhdesign und Schuhfertigung wurde.
Der Grund findet sich wohl zuallererst in der italienischen Werschätzung von Schuhen, als Teil der perfekt gestalteten Garderobe. Schuhe sind nicht einfach nur etwas, auf dem man läuft. „Der Schuh ist in der italienischen Kultur ein gleichberechtigtes Gestaltungselement für den speziellen Fashion Look. Kein Italiener würde einen Schuh einfach so anziehen, ohne darüber nachzudenken, wie er zu dem Rest des Outfits passt“, bestätigt Prazzoli.
Eines interessiert uns sehr: Italien ist nicht nur Hotspot für die schönsten Schuhe, sondern auch für die schönsten Füße. Weltweit geht Mann / Frau nach Turin, um sich via Operation die schönsten Füße machen zu lassen. Italien als medizinischer Hotspot? Oder Italien als Land des Fußfetischismus? Wir fragen Christian Prazzoli „Wir bezeichnen uns definitiv als Schuhliebhaber. Was die Füße
betrifft, so liegt es auch am Klima, dass Italiener sehr viel offene Schuhe tragen und man mehr von den Füßen sieht. Genau wie Italien in der Produktion einige Distrikte etabliert hat, so gibt es auch im Medizinbereich Regionen, in denen ein spezieller Fokus beispielsweise auch auf Füße gelegt wird. Der Erfolg dieses Systems liegt darin, dass die gesamten Zulieferer eines Systems sich ebenso in dieser Region ansiedeln und insgesamt den Erfolg des Produktes gemeinsam nach oben bringen.“
Schaut man genauer nach San Mauro Pascoli, so ist es sicher die Kombination aller Aspekte, die den Erfolg des Distriktes ausmachen: die Liebe zu den Schuhen, die jahrzehntelange Expertise, die hervorragenden Supplychaines und die gesunde sichtbare Konkurrenz. Selbst sehr bekannte französische Marken lassen hier ihre Schuhe produzieren oder manche bauen sogar eine eigene Produktion vor Ort auf. Kaum zu glauben, aber bei Baldinini wird nicht industriell produziert, sondern alles ist Handarbeit. 25 Prozent kommt aus den eigenen Werkstätten und der Rest aus anderen Manufakturen Italiens supervised by Baldinini. Denn die jährlich produzierten 400.000 Paar Schuhe brauchen viele fleißige und kompetente Hände.
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