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 spannender ist: die Architektur E
des neuen Museums in Wiesbaden, sein Architekt Fumihiko Maki oder
das Ehepaar Ernst als engagierte Kunstmäzene, die für rund 1.000 Werke ihrer Kunstsammlung ein eigenes Museum erschufen.
Ganz sicher waren es die außergewöhnliche Liebe zur Kunst, eine große Sammlerleiden- schaft und die fifinanziellen Möglichkeiten, sich Qualität zu kaufen, die das Ehepaar Ernst inspirierte, eine internationale Samm- lung mit stringentem Fokus auf abstrakte Kunst nach 1945 anzulegen, die ihresgleichen sucht. Doch manchmal bedarf es Freunde, um eine solche Sammlung gebührend in Szene zu setzen. Auf der Suche nach einem Museum, welches willens und in der Lage war, die große Sammlung als Stiftung aufzunehmen und zu zeigen, brachte einst der Ernst Freund Max Hollein den Gedanken auf, lieber gleich ein eigenes Museum zu bauen.
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Gesagt, getan. Und nun ziert nicht nur ein faszinierendes Bauwerk des Architekten und ebensolchen Freundes Fumihiko Maki die beschauliche Landeshauptstadt, sondern hier wird eine exquisite Sammlung der breiten Öf- fentlichkeit gezeigt. Für die Dauerausstellung ist ein zweijähriger Wechsel vorgesehen. Das heißt es wird wohl 30 Jahre dauern, bis man alle rund 1.000 Werke der Sonja und Reinhard Ernst Stiftung gesehen hat. Fumihiko Maki gab den Werken eine neue Heimat, und aus dem Freundschaftsdienst des weltberühmten Architekten wurde auch für ihn selber weitaus mehr. Bereits vielfach ausgezeichnet ist er Pritzker Preisträger und er erschuf zum Bei- spiel das neue Four World Trade Center im Ground Zero in New York. In den siebziger Jahren verkündete er, dass er zehn Museen in seinem Leben gebaut haben will. Das Wies- badener Museum ist sein zehntes! Als hätte sich sein Lebensziel erfüllt, starb der 95 jährige zwei Wochen vor der Eröffffnung.
Wie jedes besondere Gebäude hat auch das Museum bereits einen liebevollen Spitz-
Eine Kunstgeschichte, aus der
namen: der Zuckerwürfel. Innen wie außen scheint das Gebäude perfekt. Für diejenigen, die sich genauso für die Architektur wie für die Kunst interessieren, die sollten sich neben vielen Details die beeindruckend langen Echtholzbohlen bis hin zu den extravaganten Waschräumen im Museum anschauen, Per- fektion bis zur kleinsten Schraube. Auch Reinhard Ernst hat sich von einem besonde- ren Lieblingsstück getrennt, nämlich seinen Ferrari F 40 und dem Museum als Dauerleih- gabe überlassen. Vielleicht auch als Geste für seine Frau Sonja, die das persönliche Lieblingsbild, welches viele Jahre lang im Wohnzimmer hing, ebenfalls dem Museum überlassen hat. Nämlich das berühmte Werk von Adolph Gottlieb: Two Bars aus 1964.
Was macht man, wenn die Lieblinge in eine andere Stadt umziehen? Man zieht nach. Nun wohnt auch das Ehepaar Ernst in Wies- baden und kann sich die eigene Kunst nach Belieben jederzeit anschauen. Und selbst- verständlich ist auch die Gastronomie des Museums eine besondere. So genießen die Ernsts und alle Besucher im mehrfachen Sinne. Nach drei Jahren Planungszeit und fünf Jahren Bauzeit ist das Stifter-Paar nun überglücklich und plant sich wieder dem Reisen und dem Kunstsammeln zu widmen.
Denn auch die Sammlung ist eine immer- währende Reise und wir dürfen ge- spannt sein, welchen Fingerprint das Ehepaar Ernst in der Kunst
hinterlassen wird. www.museum-re.de
man gleich drei machen könnte.
Entscheiden Sie selbst, was
Reinhard & Sonja Ernst-Stiftung, Museum Reinhard Ernst,
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CULTURE
  Photo: Helbig Marburger

















































































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